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16.08.2005
Weser Kurier

Wiebe Gruppe ist auf der Erfolgsschiene

Von der Dorfzimmerei zum europäischen Maktführer im Gleisbau

Sparkasse

von Redakteur Matthias Makosch

ACHIM.  Ob Fallturm, Congress Centrum und Intercity-Hotel in Bremen oder die Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecken Hamburg-Berlin, Köln-Frankfurt sowie Hannover-Berlin - die Liste mit Vorzeigeprojekten der Wiebe-Gruppe ist lang. Und wird ebenso europaweit stetig länger. Davon hätte H.F. Wiebe wohl nicht einmal zu träumen gewagt, als er 1848 in Dörverden seine Zimmerei gründete. Aus der Dorfzimmerei ist längst eine Holding mit zehn Tochterfirmen geworden, die ihren Hauptsitz seit 1993 im Gewerbepark Uesen hat.

Das Familienunternehmen mit rund 1100 Beschäftigten ist auf vielen Baustellen aktiv: Neben dem maschinengebundenen Gleisbau, in dem es europäischer Markt- und Technologieführer ist, gehören auch Hochbauten wie beispielsweise die neue Kreissparkasse Verden oder die Achimer Hauptschule, Ingenieurbauten wie Tunnel und Brücken, Lärmschutzwände, die Logistik und Sicherung von Gleisbaustellen sowie der Schlüsselfertigbau zu den Geschäftsfeldern. Manche Bauten werden im Verbund mit anderen Firmen realisiert.

Rund 200 Millionen Umsatz macht die Unternehmensgruppe jährlich, in der mit Geschäftsführerin Sandra Wiebe mittlerweile die sechste Generation der Dörverdener Familie vertreten ist. Wesentlicher Motor der Zuwächse ist nach Aufträgen in den Benelux-Staaten und Skandinavien die Expansion nach Osteuropa. "Man muss sich dem Markt anpassen, im Osten wird investiert", sagt Sandra Wiebe.

Denn in Osteuropa stehen vor allem im Gleis- und Brückenbau umfangreiche Modernisierungsprogramme an. Wiebe hat Tochterfirmen in Ungarn und Rumänien gegründet, wo das Unternehmen an der Sanierung der Bahnstrecke zwischen Bukarest und Campina beteiligt war. Neben dem Einbau neuer Gleise gehörten auch die Untergrundsanierung und Arbeiten in Bahnhöfen zu den Aufgaben. In Griechenland ist Wiebe derzeit auf der Strecke von Athen nach Korinth aktiv. Doch bei aller Expansion bleibt Sandra Wiebe der traditionellen Geschäftsphilosophie treu: "Wachstum aus eigener Kraft ist bei uns die Prämisse. Unsere Tochterfirmen sollen Schritt für Schritt groß werden." Und so werde wie seit dem Einstieg in den Gleisbau 1932 beständig weiter in den Maschinenpark investiert um Technologieführer zu bleiben. " Die Gewinne zu reinvestieren, ist bei uns seit jeher Usus", betont die Geschäftsführerin. Das Unternehmen hält mehrere Patente.

Wiebe verfügt beispielsweise mit der RPM über die größte Gleisbaumaschine der Welt. 590 Tonnen schwer, über 140 Meter lang und eine Motorleistung von 3600 PS - das sind die Eckdaten der rund 15 Millionen Euro teuren Maschine, die dem Auftraggeber im doppelten Sinne viel Schotter spart. Denn in einem Arbeitsgang wird der zwischen den Gleisen liegende Schotter recycelt und der darunter liegend Untergrund durch eine Planumsschutzschicht ersetzt. Dadurch kann der Bahnverkehr wieder schneller planmäßig laufen.

Aber nicht nur die Wirtschaftlichkeit, auch der Umweltschutz ist mit dieser Gleisbaumaschine gestiegen. Denn durch die integrierte Recyclinganlage entfallen rund 60 Prozent der Deponie- und Transportkosten. Jährlich werden so bis zu 930 000 Lkw-Kilometer und eine halbe Million Liter Dieselkarftstoff gespart, was für die Umwelt ungefähr 1340 Tonnen weniger Kohlendioxid-Emissionen bedeutet. Durch hohe Reinigungsqualität und die Recyclinganlage benötigt die Bahn pro Jahr bis zu 250 000 Tonnen weniger Neuschotter.

In punkto Messtechnik ist die Wiebe-Gruppe technologisch ebenfalls ganz vorn dabei. Der Messzug rollt mit 100 Kilometern pro Stunde über die Gleise und misst per Radar Untergrund und Aufbau des Gleisbettes. Zeilenkameras können selbst feinste Haarrisse in Gleisen entdecken. Die Aufnahmen werden vom Computer automatisch ausgewertet.

Neben technischen Innovationen und der Erschließung neuer Märkte setzt die Wiebe-Gruppe ager vor allem auf ihre Mitarbeiter, die Geschäftsführerin Sandra Wiebe zufolge eine tragende Säule des Erfolgs sind. Interne Schulungen sorgten für ein hohes Maß an Fachwissen, Teamgesit sei gelebter Alltag. Die Betriebszugehörigkeiten seien entsprechend lang.



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